Rundschreiben KV Hamburg: Covid-Sprechstunden, Antikörper-Schnelltests

Nächste Phase: Infektpraxen und Covid-Sprechstunden

Am heutigen Mittwoch hat die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg die nächste Phase der Eindämmung der Corona-Pandemie eingeläutet. Da durch die Lockerungsmaßnahmen der Politik eine gewisse Wahrscheinlichkeit gegeben ist, dass das Infektgeschehen allgemein und damit auch die Gefahr weiterer Covid-Infektionen ansteigen wird, wurden neue Strukturen geschaffen für die Versorgung infektiöser Patienten. Leitschnur ist der Versuch, die Versorgung von Infektpatienten von den nicht-infektiösen Patienten zu trennen. Viele Praxen haben dies bereits organisiert, aber es gibt auch Praxen, die aktuell keine infektiösen Patienten annehmen, beispielsweise weil sie selbst einer Risikogruppe angehören. Für diese Situation ist die neue Struktur gedacht. Jeder Patient, der an einem Atemwegsinfekt erkrankt ist und eine ärztliche Abklärung wünscht und der keinen Hausarzt hat oder dessen Hausarzt keine infektiösen Patienten behandelt, kann sich einen Termin bei einer „Infektpraxis“ geben lassen. Dies sind Praxen, die täglich zur Verfügung stehen, um infektiöse Patienten zu diagnostizieren, gegebenenfalls einen Covid-Abstrich vorzunehmen, erste therapeutische Hinweise zu geben und Bescheinigungen über eine Arbeitsunfähigkeit auszustellen. Eine dauerhafte Behandlung in diesen Praxen ist nicht vorgesehen. In einem ersten Schritt hat die KVH zehn Praxen gebeten, als Infektpraxis zur Verfügung zu stehen. Die Praxen sind über das Stadtgebiet verteilt und gut zu erreichen, vor allem mit dem PKW. Patienten können die Praxen nur mit Termin aufsuchen. Hierfür wurde eine eigene Hotline (Tel. 22 802 930) ein- gerichtet. Selbstverständlich bleibt es dabei, dass der Patient seinen Hausarzt aufsuchen soll, wenn dieser infektiöse Patienten behandelt. Die Infektpraxen springen dann ein, wenn der Patient keinen Hausarzt aufsuchen kann oder will. Auch sollen die Patienten nach wie vor den Arztruf Hamburg (Tel. 116 117) kontaktieren, wenn sie an schweren Symptomen leiden oder wenn sie immobil sind. Die Kapazitäten des Arztrufes werden bis auf Weiteres nicht zurückgefahren. Für den Fall, dass ein positiv bestätigter Covid-Patient in seiner häuslichen Quarantäne dringende, unaufschiebbare ärztliche Hilfe benötigt, stehen der behandelnde Hausarzt oder der Arztruf Hamburg für einen Hausbesuch zur Verfügung. Kann das Patientenproblem beim Hausbesuch nicht gelöst werden und ist es unaufschiebbar notwendig, dass der Patient eine fachärztliche Praxis aufsucht, stehen „Covid-Sprechstunden“ zur Verfügung, die eine Reihe von Facharztpraxen eingerichtet haben. In diesen Fällen stellt der Hausbesuchs-Arzt eine Überweisung aus und gibt dem Patienten eine Telefonnummer, die einen Termin in einer „Covid-Sprech- stunde“ vermittelt: 22 802 920. Diese Telefon-Nummer ist nur für diesen Zweck geschaltet. Der Patient wird mit einem „Infekt-Mobil“ zur Praxis und wieder zurück nach Hause gefahren. Die KV Hamburg wird weder die Namen der Infektpraxen bekanntgeben noch der Praxen, die eine Covid-Sprechstunde anbieten. Dadurch soll verhindert werden, dass Patienten ohne Termin die Praxen aufsuchen und es dann zu Warteschlangen oder ähnlichem kommt. Für den Fall, dass das Infektgeschehen deutlich stärker als erwartet zunimmt, stehen weitere Praxen bereit, als Infektpraxis zu arbeiten. Diese Organisationsstruktur ist mit der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz abgestimmt und soll den erfolgreichen „Hamburger Weg“ zur Pande- mie-Eindämmung fortsetzen. In der ersten Phase war es die Betreuung durch den Arztruf Hamburg (der verhindert hat, dass potentiell infizierte Patienten durch die Stadt laufen), in der zweiten Phase wird die Infektabklärung konzentriert. Bei der Pressevorstellung der Struktur hat Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks das Engagement der Ärztinnen und Ärzte in Hamburg sowie der KVH ausdrücklich gelobt.

Antikörper-Schnelltest: Sinnvolle Anwendung sehr selten

Medien und Labore propagieren aktuell den Einsatz von Antikörper-Schnelltests. Dabei wird ein Tropfen Blut in eine Testkassette gegeben, gegebenenfalls mit Lösungsmittel. Das verdünnte Blut wird über ein Absorptionsbett gezogen, das Farbmarkierungen entwickelt, wenn Antikörper im Blut vorhanden sind. Der Test weist aber weder eine ausreichend hohe Sensitivität noch Spezifität auf, um sichere Ergebnisse zu produzieren. Positive Testungen ergeben darüber hinaus keine klare Aussage: der Patient kann akut infektiös sein, die Infektion bereits hinter sich haben oder ist immun gegen andere Coronaviren als das SARS-Cov-2-Virus. Der Stuttgarter Laborarzt Dr. Matthias Orth sagte hierzu: „Diese Tests haben eigentlich keine Aussage.“ Dies gilt insbesondere für die Feststellung einer akuten Erkrankung, da die Antikörper erst ca. zehn Tage nach einer Infektion gebildet werden. Eine Abrechnungsfähigkeit des Antikörper-Schnelltestes ist nur gegeben, wenn von dem Testergebnis klare Hinweise für eine therapeutische Konsequenz zu erwarten sind. Das dürfte nur in den seltensten Fällen gegeben sein. Verlangt beispielsweise ein Arbeitgeber einen solchen Test, hat er die Kosten zu tragen.

Bundesminister Jens Spahn besucht KV und würdigt Vertragsärzte

Mit einem Besuch bei der KV Hamburg hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn den Dank an die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in Hamburg und Deutschland für ihren Beitrag bei der Eindämmung der Corona-Pandemie ausgedrückt. Er sprach von einem „Bollwerk“, das die niedergelassenen Ärzte errichtet hätten und wies darauf hin, dass sechs von sieben Corona-Patienten ambulant versorgt würden. Im internationalen Vergleich stehe Deutschland vor allem deshalb so gut da, weil es hierzulande einen leistungsfähigen ambulanten Bereich gebe, der Zustände wie in Italien und Spanien – wo die Grundversorgung in den Kliniken angesiedelt ist – verhindert habe. Spahn, dessen Besuch von vielen Medienvertretern begleitet wurde, besichtigte die Notdienstzentrale des Arztruf Hamburg, informierte sich bei Dr. Björn Parey an einem Einsatzfahrzeug über den fahrenden Notdienst, führte ein Gespräch mit Vorstand und VV-Vorsitzenden und stand für eine Pressekonferenz zur Verfügung. Das Video der Pressekonferenz können Sie über die Homepage der KV Hamburg ( www.kvhh.de ) ansehen.

Quelle: https://www.kvhh.net/media/public/db/media/1/2009/10/72/nr-66-vom-2020-04-22.pdf

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