Qualitätszirkel ÄrzteNetz – 26. September 2019

Minimalinvasive Chirurgie bei Abdominaltumoren

„Immer mehr Studien belegen, dass laparoskopische Operationstechniken auch für Patienten mit malignen Abdominaltumoren nicht nur perioperativ, sondern auch langfristig vorteilhaft sind.

Die minimalinvasive Chirurgie (MIC) ist das dominierende Verfahren bei Cholezystektomie, Appendektomie, Sigmaresektion wegen Divertikulitis und Hernienreparation. Lange Zeit bestand Unsicherheit, ob die Vorteile eines laparoskopischen Eingriffs (geringere postoperative Schmerzen, verkürzter Kranken­haus­auf­enthalt) auch bei Tumorresektionen zum Tragen kommen – ohne Einbuße der onkologischen Qualität. 

Seit einigen Jahren wird die MIC bei onkologischen Erkrankungen des oberen und unteren Gastrointestinaltrakts angewendet – und das mit guten Ergebnissen. Am häufigsten wird Darmkrebs laparoskopisch entfernt: Etwa 55 000 Neudiagnosen werden jährlich in Deutschland gestellt, wobei die Patienten zu diesem Zeitpunkt im Mittel 75 Jahre alt sind. 

Dennoch werden hierzulande nur etwa 20 %–30 % der Betroffenen minimalinvasiv operiert. Bei unseren europäischen Nachbarn liegen die MIC Operationen zum Teil bei 50 %–80 %. Voraussetzung für die Anwendung ist jedoch nicht allein die wissenschaftliche Erkenntnis, sondern auch die Fähigkeit des Chirurgen, gemeinsam mit seinem Team eine minimalinvasive Operation fachgerecht durchzuführen. Dies erfordert praktische Weiterbildung, Trainingskurse und Begleitung durch bereits erfahrene Kollegen.“

Wir freuen uns auf einen interessanten Fortbildungabend im Agaplesion Diakonieklinikum Hamburg, auf dem Herr PD Dr. Dr. Uwe Johannes Roblick einen aktuellen Ausblick auf die Möglichkeiten der MIC geben wird. Die Veranstaltung wird von der Ärztekammer mit 5 Fortbildungspunkten anerkannt.
Bitte melden Sie sich über die Geschäftsstelle an.

Qualitätszirkel ÄrzteNetz – 29. August 2019

VSI – Digitale Zukunft in der Kopf-Hals-Chirurgie

Ohne CT-/ MRT ist eine sichere Tumor-Chirurgie im Kopf-Hals-Bereich heute kaum noch vorstellbar. Die anatomischen Strukturen werden durch den Chirurgen nach Sichtung des Bildmaterials engrammiert und für die OP genutzt.

Aber wie wäre es, wenn die CT-/MRT-Bilder durch eine spezielle Software als Hologramm in das Sichtfeld des Chirurgen eingeblendet würden?

Im Marienkrankenhaus Hamburg findet diese weltweit neuartige digitale Technologie mit Hilfe der Hololens-Brille bereits im OP-Saal Anwendung. Und weitere Anwendungen sind bereits geplant.

Ein Bericht über den aktuellen Stand von Herrn Dr. Hans-Jürgen von Lücken, Oberarzt der HNO-Klinik im Marienkrankenhaus
Wir freuen uns über interessiertes Fachpublikum. Bitte melden Sie sich über die Geschäftsstelle an.

Der zweite Referent dieses Abends ist Herr PD Dr. Dr. Felix Blake, M.Sc., aus der MKG am Kurpark in Bad Oldesloe. Sein Vortrag behandelt das Thema „Möglichkeiten der plastischen Deckung im Kopf-Hals-Bereich“.

PD Dr. Dr. Felix Blake, Msc

22. Juni – Team ÄrzteNetz am Start

Bei schönstem Wetter starteten dieses Jahr unter der ÄrzteNetz-Flagge gleich zwei motivierte fröhliche Läufergruppen beim Hamburg Comercial Bank Run, um gemeinsam mit ca. 18200 weiteren Läufern die Initiative „Kinder helfen Kindern“ zu unterstützen.
Vielen Dank für diesen tollen Einsatz an die HNO-Praxis Dres. Steidtmann und Paps und die Labore Dr. Fenner und Kollegen sowie Dr. Heidrich & Kollegen!

Fotocredit Witters GmbH
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Setzen auch Sie mit Ihrem Praxisteam ein Zeichen für die Gesundheit! Melden Sie sich in der Geschäftstelle für weitere Informationen.

25. Juni – Welttag der Weißfleckenkrankheit

2011 von Steve Haragadon ins Lebens gerufen, soll dieser Welttag das internationale Bewusstsein für diese Erkrankung schaffen. Lesen Sie hier einen Beitrag von Herrn Dr. Christoph Kuwert, in dem er auch von einer möglicherweise neuen Therapieform berichtet.

Bei der Vitiligo (Weißfleckenkrankheit) kommt es an der Haut zu einem Verlust des Hautpigments Melanin. Unter der Erkrankung leidet ca 1 % der Weltbevölkerung, d.h. ca 75 Millionen Menschen. In der Hälfte der Fälle beginnt die Erkrankung vor dem 20. Lebensjahr. Die Vitiligo kommt gehäuft vor in Assoziation mit Autoimmunerkrankungen wie der Hashimoto-Thyreoiditis, der perniziösen Anämie, dem Typ I Diabetes mellitus, der Alopecia areata und der Addison-Krankheit. 
Neben einer erblichen Veranlagung spielt möglicherweise eine Fehlregulation des Immunsystems eine Rolle.  

Vitiligo ist nicht ansteckend.

Für viele Patienten stellt die Pigmentstörung eine erhebliche kosmetische Beeinträchtigung dar und führt zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität.

Medizinisch gibt es leider bisher kaum Möglichkeiten, die Erkrankung wirksam zu behandeln. Bisherige Standardtherapien beruhen auf einer Aktivierung der Pigmentsystems der Haut mit UV-Licht Bestrahlungen (UV-B 311 nm) mit oder ohne Lichtsensibilisatoren z.B. in Cremeform. Die Ansprechraten sind leider gering, sodass sich viele Patienten unter Berücksichtigung der Nebenwirkungen (erhöhtes Hautkrebsrisiko durch UV Bestrahlungen) gegen eine Therapie entscheiden.

Auf dem amerikanischen Dermatologen Kongress im März 2019 wurde über neue molekulare Therapieansätze berichtet, welche neue Hoffnung für Vitiligo Patienten bergen. So sind als therapeutische Ziele bestimmte Moleküle (Jak Inhibitoren, Interferon gamma Interleukin 15) identifiziert worden, welche bereits in Studien mit viel versprechenden ersten Ergebnissen untersucht werden. Es ist gut vorstellbar, dass wir in naher Zukunft endlich therapeutische Ansätze zur Verfügung haben, um diesen Patienten zu helfen.

21. Juni – Deutscher Lebensmittel-Allergietag 2019

2008 wurde der Deutsche Lebensmittel-Allergietag vom Deutschen Allergie- und Asthmabund e.V. ins Leben gerufen, um auf Lebensmittelunverträglichkeiten und Allergien aufmerksam zu machen. Zum heutigen 11. Jahrestag lesen Sie hier einen Beitrag von Herrn Dr. Thiemo Kurzweg, Facharzt für HNO-Heilkunde, HNO-Praxis Eidelstedter Platz.

Allergien gegen Lebensmittel können unterschiedliche Symptome verursachen. Neben eher harmlosen Empfindungsstörungen im Mund, dem sogenannten oralen Allergiesyndroms, kann es zu lebensbedrohlichen Allergieschock-Symptomen nach Genuss kleinster Mengen von Allergenen kommen. Wie der Körper auf die Nahrungsmittel reagiert, hängt von der Art der Sensibilisierung ab. Die häufigsten Reaktionen auf Lebensmittel entstehen durch sekundäre Sensibilisierungen (auch Kreuzallergie genannt) bei Pollenallergikern und bei gegen Hausstaub sensibilisierten Patienten. Gräserpollenallergiker können zum Beispiel auf Getreideprodukte, Hülsenfrüchte sowie auf Tomaten reagieren. Die Reaktionsstärke ist in der Regel geringer ausgeprägt als bei primären Lebensmittelallergien und während der Pollenflug-Phase verstärkt. Zudem sind die Reaktionen dosisabhängig: Es kann zu Kribbeln im Mund und Schwellungsgefühl aber auch zu Magen-Darm Symptomen kommen.
Die Abgrenzung zu den meist schwerer verlaufenden primären Lebensmittelallergien können Allergologen durch eine gezielte Befragung und Untersuchung vornehmen. Hilfreich sind dabei Blutteste, die zeigen können, ob Sensibilisierungen auf bestimmte hitzestabile Proteine vorliegen. Ist das der Fall, ist besondere Vorsicht beim Genuss dieser Lebensmittel angezeigt.
In Deutschland gibt es keinen gesonderten Facharzt für Allergologie. Allergologische Kompetenz finden Patienten bei Ärzten mit der Zusatzbezeichnung Allergologie (in der Regel HNO-Fachärzte, Kinderärzte, Innere Medizin, Lungenfachärzte). Eine pharmaunabhängige Plattform für Informationen über Allergien bietet: Mein Allergieportal

Welt-Blutspendertag 2019

Seit 15 Jahren wird am 14. Juni, dem Geburtstag Karl Landsteiners – dem Entdecker der Blutgruppen, der Welt-Blutspendertag begangen. Dieses Jahr unter dem Motto „Sicheres Blut für alle“.
Lesen Sie hier in einem Beitrag von Herrn Dr. med. Lutz Scherlitzky, Transfusionsmediziner und Leiter des Labors der Hämatologisch-Onkologischen Praxis Altona (HOPA), warum Blutspenden wichtig sind und was mit dem gespendeten Blut passiert.

Blut spenden rettet Leben. So einfach ist es auf den Punkt zu bringen. Die Ärzte der HOPA versorgen täglich schwer kranke Patienten, die ohne Spenderblut nicht weiterleben könnten.
Was viele nicht wissen: Der größte Anteil gespendeten Bluts geht nicht etwa an Unfallopfer, sondern an Menschen mit Krebserkrankungen: 19 Prozent, also fast ein Fünftel der Blutspenden, kommen in der Onkologie zum Einsatz. Durch die in der Krebstherapie häufig verabreichten Zytostatika kann es beispielsweise zu einer Verminderung der Blutbildung im Knochen kommen. Das wiederum kann zu einer Anämie führen, welche die Gabe von Blutpräparaten erforderlich macht.

Insgesamt werden in Deutschland pro Jahr etwa 4 Millionen Blutspenden von ca. 2,7 Millionen Blutspendern entnommen. 75 Prozent des Blutbedarfs werden vom Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes abgedeckt. In Hamburg und Schleswig-Holstein zählte das DRK rund 122.000 Blutspenden. Das Durchschnittsalter der Spender liegt bei etwa 46 Jahren, das der Erstspender bei 30 Jahren.

Seit 2011 verzeichnet das DRK einen leichten, aber kontinuierlichen Rückgang der Blutspender – bei gleichbleibenden Bedarf. Ferien, Feiertage und auch Großereignisse wie eine Fußballweltmeisterschaft sorgen zusätzlich für eine kurzfristige Minderung der Spendebereitschaft – mit gravierenden Folgen. So kann es in Ausnahmefällen dazu kommen, dass auf Präparate ausgewichen werden muss, die zwar kompatibel, aber nicht blutgruppengleich sind. Diese Übergangslösung birgt die Gefahr, dass der Patient irreguläre Antikörper bildet und es im weiteren Verlauf zu einer Transfusionsreaktion kommen kann.

Umso wichtiger ist es, Tage wie den Welt-Blutspendertag zu nutzen, um die Aufmerksamkeit für die Wichtigkeit von Blutspenden zu erhöhen. Der Tag wurde auch und in erster Linie initiiert, um die Blutspender zu ehren – absolut wichtig und richtig, denn diese Menschen sind wahre Lebensretter.
Die Blutabnhame selbst dauert nur 5-10 Minuten. Ein kleiner Aufwand, wenn man bedenkt, dass man mit nur einer Blutspende bis zu drei Schwerkranken oder Verletzten helfen kann.
Weitere Informationen und Blutspendetermine finden sich auf der Website des DRK-Blutspendedienstes: www.blutspende.de

Qualitätszirkel ÄrzteNetz: Ein Jahr Datenschutzgrundverordnung

Seit einem Jahr gilt die DSGVO auch in allen Praxen. Was hat sich seither getan? Wo liegen noch Defizite? Wie sind die ersten Erfahrungen aus der juristischen Betrachtung?

Wir betrachten in unserer Veranstaltung am 20.06.2019 in der Bucerius Law School nicht nur die theoretischen, sondern auch die konkreten Angriffe auf unsere Praxis-Infrastruktur und zeigen Ihnen auf, welche Absicherungsmöglichkeiten es gibt. Die Teilnahme wird allen Praxisinhabern dringend empfohlen.
Hier geht es direkt zur Anmeldung

Welt-Hirntumor-Tag 2019

Wir freuen uns, dass zu diesem wichtigen, im Jahre 2000 von der Deutschen Hirntumorhilfe initiierten Gedenktag, Herr Prof. Dr. Bodo Lippitz einen informativen Beitrag zu den Behandlungsmöglichkeiten 2019 für uns verfasst hat. Prof. Dr. Lippitz leitet gemeinsam mit Herrn Prof. Dr. Florian Würschmidt das Interdisziplinäre Centrum für Radiochirurgie (iCERA) in der Radiologischen Allianz.

Hirntumoren und ihre Behandlung 2019

In der Behandlung der Hirntumoren ist viel ist geschehen in den letzten 10 Jahren.  Operationen sind weniger invasiv und sicherer geworden, die medikamentöse Therapie ist spezifischer und weniger be­lastend und der technologische Fortschritt in der Strahlentherapie erlaubt eine zunehmende Fokussie­rung auf die betroffenen Regionen und die Schonung gesunden Gewebes. Zusammengenommen: die Be­handlung ist heute gezielter, effektiver und weniger belastend für den Patienten.

Grundsätzlich unterscheidet man bei den Tumoren im Bereich des Gehirns gutartige und damit lang­sam und lokal wachsende von bösartigen und schnellwachsenden Tumoren. Da sich alle diese Tumo­ren im Bereich des Gehirns ausdehnen, werden Gehirnregionen durch mechanischen Druck oder durch andere Prozesse beeinträchtigt, so dass die Funktionen, die in den angrenzenden Hirnregionen in Mit­leidenschaft gezogen werden können. Das Resultat können sogenannte neurologische Symp­tome sein, wie das Auftreten von epileptischen Anfällen oder auch von Lähmungserscheinungen, Doppelbilder, Seh-oder Sprachstörungen etc. Diese Symptome können langsam, aber auch bisweilen relativ plötzlich wie ein Schlagan­fall auftreten und müssen somit sofort ärztlich abgeklärt werden. Der Arzt wird in dieser Situation zur Abklärung in der Regel eine Magnet-Re­sonanz-Tomographie veranlassen, welche  wegweisend für die weitere Therapie ist. Viele der Symptome sind rasch medikamen­tös zu behandeln, da sie oft nicht direkt durch den Tumor, sondern durch eine Schwellungsreaktion erzeugt werden.

Gutartige Tumoren sind langsam wachsend und verdrängen das umliegende Hirngewebe, ohne es zu infiltrieren. Typische Vertreter: Meningiome, Akustikusneurinome oder Hypophysenadenome. Es gibt aber auch gutartige Tumoren, die vom Gehirn selbst ausgehen wie pilocytische Astrozytome oder E­pendymome. Grundsätzlich werden sehr kleine gutartige Tumoren in der Regel zunächst beobachtet und erst aktiv behandelt, wenn ein Wachstum nachweisbar ist. Immer wieder gibt es aber auch hier Stimmen, die zu einer sehr frühzeitigen Behandlung unmittelbar nach Diagnose raten. Früher wurden die meisten gutartigen Tumoren operiert, wenn es nötig war. Viele dieser Tumoren liegen jedoch in der Schädelbasis und sind von wichtigen Hirnnerven umgeben. Deshalb operiert man in den letzten Jahren seltener und weniger radikal,  um neurologische Funktionen nicht zu gefährden und insbeson­dere Doppel­bilder, Hörverlust oder eine Gesichtslähmung zu vermeiden. Die Operation ist aber insbe­sondere bei größeren Tumoren unumgänglich, um das Gehirn zu entlasten. Eventuell verbliebene Tu­morreste wer­den dann in der Regel relativ früh bestrahlt, um ein erneutes Wachstum zu verhindern.

Diese Be­strah­lung geschieht heute idealerweise mit gezielten Techniken, der stereotaktischen Radio­chirurgie, wel­che die Bestrahlung auf den Tumor konzentriert. Verwendete Präzisionsgeräte sind dabei Gamma Knife, Cyberknife oder speziell adaptierter Linearbeschleuniger, selten auch Protonentherapie etc. Bei vielen Tumoren ist diese ge­zielte ‚Strahlenchirurgie‘ oder ‚Radiochirurgie‘ ähnlich wirksam wie eine operative Tu­morentfer­nung. Des­halb hat man vor vielen Jahren begonnen, bei manchen gut­artigen Tumoren sogar auf eine Opera­tion zu ver­zichten und stattdessen eine ‚Radiochirurgische‘ Be­handlung einzusetzen. Dies geschieht sogar ambulant ohne Kranken­hausauf­enthalt, bedeu­tet eine ge­ringere Belastung des Patienten und ein geringeres Risiko für Neben­wir­kungen. Wichtig ist diese Al­ternative insbesondere für Akustikusneurinome, Meningiome und (in­ope­rable) Hypophysena­denome.

Bösartige Tumoren des Gehirns können schnell wachsen und sind in der Regel nicht auf einen Ort be­grenzt. Manche dieser Tumoren sind sogenannte Metastasen und stammen von anderen Krebstu­mo­ren des Körpers, die ‚gestreut‘ haben, wie z.B. einem Lungenkrebs oder Brustkrebs. Andere bösar­tige Tumoren stammen vom Gehirngewebe, werden als ‚hirneigene‘ Tumoren bezeichnet, darunter ma­ligne Gliome oder auch Glioblastome. Aufgrund ihres unterschiedlichen Verhaltens ist die Therapie der bösartigen Hirntumoren sehr verschieden.

Hirnmetastasen können einzeln, aber auch in größerer Zahl auftreten. Auch hier gilt, dass größere Hirnmetastasen operativ entfernt werden sollten. Das tut der Neurochirurg.

Früher hat man beim Auftreten kleinerer Hirnmetastasen in der Regel eine sogenannte fraktionierte Ganzhirnbestrahlung eingesetzt. Dabei wird das ganze Gehirn in ca. 10 Sitzungen mit geringer Dosis bestrahlt. Viele Hirnmetastasen, wie z.B. die der Melanome oder Nierenzellkarzinome, spre­chen leider nur unzureichend auf die Ganzhirnbestrahlung an. Auch bei Patienten mit Hirnmetasta­sen von Lun­genkarzinomen ist der Behandlungseffekt der Ganzhirnbestrahlung nicht ausreichend, wie aktuelle randomisierte Studien belegen. Darüber hinaus hat eine fraktionierte Bestrahlung des ganzen Hirns ein deut­liches Risiko für Neben­wirkungen wie Gedächtnis-und Konzentrationsstörungen, die kaum zu vermei­den sind. Früher glaubte man, dass eine Bestrahlung des ganzen Gehirns neuen Hirnmetasta­sen vor­beugt. Auch dies hat sich leider so nicht bestätigt.

Deshalb vermeidet man zunehmend die fraktionierte Bestrahlung des ganzen Gehirns und ist in den letzten Jahren weltweit dazu übergegangen, kleinere Hirnmetastasen bei hoher Präzision mit ge­zielter ‚stereotaktischer Radiochirurgie‘ zu behandeln, um den Therapieeffekt im Bereich der Tumoren zu er­höhen und gleichzeitig das gesunde Gehirn zu schützen. Die Präzisionsbestrahlung wird mit dem Gamma Knife in einer einzigen Behandlungssitzung erreicht. Alternativ kann man eine gezielte ‚stere­otaktische‘ Bestrahlung auch mit speziell ausgerüste­ten Linearbeschleunigern umsetzen oder auch mit dem sogenannten Cyberknife. Dann wird die radiochirurgische Behandlung oft in mehreren Sitzungen verabreicht. Der Vorteil des gezielten radiochirurgi­schen Vorgehens ist, dass insbesondere die Behand­lung mit dem Gamma Knife beim Auftreten neuer Metastasen wiederholt werden kann. Die fraktio­nierte Ganzhirnbestrahlung dage­gen, sollte nicht wie­derholt werden.

Die Krebstherapie hat auch durch die Entwicklung der Immuntherapie in den letzten Jahren enor­me Fortschritte gemacht. Dieser Trend geht Hand in Hand mit der gezielten Strahlenchirurgie.

Früher behandelte man aus technischen Gründen nur bis zu drei Hirnmetastasen mit ‚Radiochirur­gie‘. Durch die aktuelle technische Entwicklung ist diese Begrenzung jedoch überholt. Da Hirnmeta­stasen häufig in größerer Zahl auftreten, ist es wichtig alle diese Tumoren auch gezielt zu behandeln. Dies ist insbesondere mit dem Gamma Knife möglich, wobei bis zu 14 Hirnmetastasen in ei­ner einzigen Sitzung behandelt werden. Aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse zeigen, dass dies sinnvoll und möglich ist.

Glioblastome sind ‚hirneigene‘ bösartige Tumoren, sind nicht scharf abgrenzbar und infiltrieren schon früh das umliegende gesunde Hirngewebe. Dadurch ist eine lokal begrenzte Behandlung ist somit nicht wirklich möglich und die Behandlung grundsätzlich anders. Die operative Tumor­entfernung steht hier im­mer im Vordergrund. Danach wird heute in der Regel eine fraktionierte Bestrahlung und eine  ‚Sys­temtherapie‘ mit Medikamenten ein­geleitet. Nach operativer Entfernung wird das Tumorgewebe un­ter­sucht, um gemäß spezifi­scher Marker oder genetischer Veränderungen die beste me­dikamentöse Be­handlung wählen zu kön­nen. Auch wird dann in der Regel eine fraktionierte Bestrah­lung eingeleitet, um auch ‚verstreute‘ Tu­morzellen behandeln zu können. Oft werden dabei bis zu 30 tägliche Bestrah­lungen verabreicht. Die radiochirurgische scharfe Begrenzung der Bestrahlung ist hier zunächst nicht sinnvoll, kann aber im Fall des Wiederauftretens eines Glioblastoms eingesetzt werden, falls eine er­neute Operation nicht möglich ist.

Unabhängig von der Wahl-Methode muss das Behandlungsziel bei Tumoren im Bereich des Gehirns immer die größte mögliche Genauigkeit sein, um das gesunde Gehirn zu schonen und die Lebensqua­lität der Patienten zu schützen. Die technischen Fortschritte sowohl der operativen Verfahren als auch der Bestrahlungsbehandlung haben dies möglich gemacht. Am Anfang dieses Trends stand die Ent­wicklung der Stereotaktischen Radiochirurgie.

ÄrzteNetzHamburg – Mitgliederversammlung am 28. Mai 2019

Vorstandswahlen

Wir freuen uns, dass die Mitglieder den vorgeschlagenen Kandidaten Ihr eindeutiges Votum gegeben haben.
Für die nächsten zwei Jahre wurden gewählt:
Dr. Andreas Schüßeler ( Vorstandsvorsitzender), Dr. Thiemo Kurzweg (1. stellv. Vorsitzender), Dr. Kay Steidtmann (2. stellv. Vorsitzender), Dr. Anke Tietz (Beisitz), Dr. Martin Simon (Beisitz), Dr. Jens Heidrich (Kassenwart), Dr. Thomas Fenner (Beirat), Dr. Tobias Jacob (Beirat), PD Dr. Michael Rosenkranz (Beirat).
Wir wünschen eine erfolgreiche Amtszeit und gute Unterstützung durch alle Mitglieder!

Ehrungen

Herr Dr. Schüßeler dankte Mitgründer Herrn Dr. Carsten Timm sowie dem langjährigen Vorstandsvorsitzenden Herrn Dr. Hans-Jürgen Juhl für ihr herausragendes Engagement und überreichte ihnen die goldenen Ehrennadel des ÄrzteNetzHamburg.
Herr Dr. Juhl wird als Ehrenmitglied des Vorstandes diesem weiterhin mit seiner Expertise zur Seite stehen.

„Keiner sieht´s. Eine(r) spürt´s. Multiple Sklerose – vieles ist unsichtbar“ so das Motto des diesjährigen Welt-MS-Tages am 30. Mai

Was ist MS?

Multiple Sklerose (MS) ist eine entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die bei den Betroffenen sehr unterschiedlich verlaufen kann. Meist beginnt die MS im frühen Erwachsenenalter, selten auch schon im Kindes- oder Jugendalter. In Deutschland leben ca. 200.000 Menschen mit Multipler Sklerose. Jedes Jahr wird bei etwa 2.500 Menschen neu eine MS festgestellt.

Durch die Entzündung wird an unterschiedlichen Stellen im Gehirn die „Isolationsschicht“ (sog. Myelin) von Nervenfasern angegriffen, wodurch die Signalleitung und -übertragungen im Nervensystem gestört werden. Folge sind – je nach Ort der Schädigung ganz unterschiedliche – neurologische Ausfallsymptome wie Sehstörungen, Taubheitsgefühle, Lähmungserscheinungen u.a.. 

Die Ursachen von MS sind noch nicht geklärt. Klar ist, dass eine „Fehlsteuerung“ des Immunsystems eine wichtige Rolle spielt, bei der sich Abwehrzellen irrtürmlich gegen körpereigene Strukturen wenden. Daneben werden aber auch genetische Faktoren sowie der Einfluss von Umweltfaktoren vermutet. 

Wie verläuft MS?

Grundsätzlich gibt es keinen typischen MS-Verlauf. Im Gegenteil: MS ist gerade durch den von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlichen Verlauf gekennzeichnet.

Bei vielen MS-Kranken verläuft die Erkrankung gutartig, bei einigen Patienten aber auch schwer. In den meisten Fällen bilden sich die zu Beginn der Erkrankung schubartig auftretenden neurologischen Symptome mehr oder weniger vollständig zurück. Bei wiederholt auftretenden „Schüben“ können dann aber je nach klinischem Verlauf auch zunehmende Beeinträchtigungen auftreten, die sich nicht gut zurückbilden und dauerhaft bestehen bleiben (sog. klinische Residuen). Bei 10-15% der Patienten entwickeln sich die Symptome nicht in Schüben, sondern schleichend-fortschreitend (sog. primär-chronisch progredienter Verlaufstyp). Bei ca. 30-40% der zunächst schubförmig verlaufenden Erkrankungen kommt es nach etwa 10-15 Jahren zu einem Übergang in eine chronisch progrediente Verlaufsform (sog. sekundär-chronisch progredienter Verlaufstyp).

Wie wird MS behandelt?

Obwohl die MS bis heute nicht heilbar ist, gibt es neben der Behandlung des akuten Schubs inzwischen eine Reihe unterschiedlicher Medikamente, die durch Vorbeugung von Krankheitsschüben das Fortschreiten der Erkrankung und das Auftreten von Behinderungen verhindern oder zumindest verzögern. Je nach Schweregrad der Erkrankung kommen Immunmodulation oder Immunsuppression zum Einsatz. Bei der Immunmodulation versucht man Mechanismen die das Immunsystem stimulieren und solche, die es dämpfen wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die Immunsuppression hemmt das Immunsystem, um Angriffe auf das körpereigne Nervenzellen zu verhindern. Ein frühzeitiger Beginn dieser verlaufsmodifizierenden Therapie ist empfehlenswert. Darüber hinaus ist die Behandlung residueller Symptome durch medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapien (z.B. Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie) erforderlich. Wichtig ist ein auf die Bedürfnisse des einzelnen Patienten zugeschnittenes Behandlungskonzept mit guter fachlicher Anbindung unter Berücksichtigung u.a. der Erkrankungsschwere, der Schubhäufigkeit, des Patientenalters, der Lebensplanung und Begleiterkrankungen.

Priv.-Doz. Dr. med. Michael Rosenkranz
Facharzt für Neurologie, Spezielle Neurologische Intensivmedizin, DEGUM Seminarleiter Stufe III
Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation
Ärztlicher Direktor der Albertinen-Krankenhaus/Albertinen-Haus gemeinnützige GmbH